Über ungelegte Eier soll man ja bekanntlich nicht sprechen und also sollte ich über das Auto, was wir uns im April gekauft haben, noch nicht schreiben – denn das haben wir eigentlich noch gar nicht.
Aber von vorn: In Vietnam gibt es eine sehr hohe Einfuhrsteuer für PKWs. Je nach Alter und Wert des Fahrzeugs kann die schon mal um die 80% liegen. Luxussteuer und Mehrwertsteuer runden das ganze ab und lassen Autos hier sehr viel teurer werden als z.B. bei uns Zuhause. Autos die älter als ich glaube 5 Jahre sind dürfen gar nicht erst eingeführt werden. Daraus ergibt sich, dass z.B. Mercedes in Vietnam eine Miniproduktion aufgebaut hat – Teile zu importieren und hier zusammenzuschrauben ist günstiger als fertige Autos einzuführen. Auch wenn die Produktion sich in anderen Ländern aufgrund der geringen Stückzahlen nicht wirklich lohnen würde.
Das nur als Einführung, dass das Thema Auto hier ein heikles und teures Thema ist – und ein sehr kompliziertes...
Kerstin hat es in ihrem letzten Post ja schon beschrieben, die Transportmöglichkeiten sind mit unserer kleinen Laura sehr beschränkt und nach unseren Vorstellungen auch nicht gerade sicher. Mit der ganzen Familie auf dem Moped durch die Stadt cruisen macht Spass, ganz besonders unserer Lütten, aber das schlechte Gewissen fährt immer mit. Vietnam ist eben das Land mit der höchsten Todesrate bei Verkersunfällen. Und aus der Stadt rausfahren erhöht das Risiko enorm. Also haben wir uns entschlossen ein Auto zu kaufen um ein wenig beweglicher zu sein und auch die weitere Umgebung erkunden zu können.
In Vietnam gibt es ein Rahmenabkommen zwischen der Deutschen und der Vietnamesischen Regierung, welches unter anderem besagt, dass Entwicklungshelfer ein Fahrzeug steuerfrei einführen dürfen. Damit werden die hohen Steuern zum Vorteil, denn Netto sind die Autos natürlich sehr günstig, ansonsten könnte sich ja hier niemand ein Auto leisten. Und wenn man nun noch ein gebrauchtes Fahrzeug bekommen könnte, welches schon steuerfrei eingeführt wurde, dann wäre das ein echtes Schnäppchen. Günstiger Preis, keine Organisation der Einfuhr, kein rumrennen wer was macht und das mit den Papieren ist ja auch viel einfacher... Soweit die Theorie.
Also habe ich Internetadressen von Internationalen Organisationen in VN recherchiert und eine Rundmail geschickt. "Wer hat ein Auto zu verkaufen?" Tatsächlich gab es mehrere Angebote. Die meisten immer noch zu teuer, aber dann hat die Niederländische Botschaft geschrieben. Ein Nissan Terrano, 6 Jahr alt mit 90.000 km auf dem Tacho zu einem unschlagbar günstigen Preis. Nach einige Tagen hin und her überlegen (brauchen wir denn wirklich ein Auto? Ein Automatik wäre aber viel besser...) die Entscheidung: Kaufen!
Da das Auto in Hanoi steht, 1400 km entfernt von Nha Trang, hat sich das DED Büro bereit erklärt die Formalitäten zu erledigen. Was wir als erstes brauchen und was das Herzstück der ganzen Kaufprozedur ist, ist ein Schreiben vom Ministerium für Planung und Investitionen (MPI), welches bescheinigt, dass ich hier in Nha Trang am Ausbildungscollege arbeite und unter das Rahmenabkommen falle. Dieses muss vom Volkskomitee der Provinz beantragt werden. Die Beantragung der Beantragung geschieht durch meinen Projektträger, sprich durch das College. Der DED hat also meiner Schule erklärt was zu tun ist und die Schule hat ein entsprechendes schreiben an das Volkskomitee geschickt. Nach 6 Wochen Bearbeitungszeit wurde ein Papier aus der Akte gezogen, welches schon 2 Jahre alt ist und bescheinigt, dass ich am College arbeite... Also gab es neue Erklärungen vom DED und das College hat einen neuen Antrag an das Volkskomitee geschickt. Dieses hat sich wieder 6 Wochen Zeit gelassen um dann zu erklären, dass sie dafür nicht zuständig sind. Mein Projekt untersteht nämlich nicht dem Volkskomitee, sondern dem Ministerium für Labor, Invalids and social affairs (MoLISA)...
Also wurde ein neuer Antrag geschrieben an MoLISA in Hanoi. Nach vielen Rückfragen und Telefonaten wurde der Antrag weitergeleitet an die Program Management Unit (PMU), die sowas wie das Ausführungsorgan für unser Projekt sind. Die wussten aber beim besten Willen nichts damit anzufangen und haben uns den Antrag zurückgegeben, mit dem Hinweis, dass dafür doch wohl das Volkskomtiee zuständig sei.
Zwischenzeitlich war ich in Hanoi und wollte die Gelegenheit nutzen, dass Auto runter zu fahren. Kein Problem, sagte der DED, angemeldet werden muss die Karre ja eh hier in Nha Trang und mit einer Bestätigung vom DED, die hinter die Scheibe geklemmt wird, sollte das fahren ohne Nummernschilder "nicht allzu viele Probleme machen"... Also hin zur Botschaft der Niederlande und schnell das Auto geholt und dann gemütlich in 3-4 Tagen runter nach Nha Trang gefahren. Die Vorfreude wich einem ersten Anstieg des Adrinalinspiegels, als mir Jos, der zuständige Sachbearbeiter mitteilte, dass das Geld noch nicht überwiesen wurde. Arrgh! Schnell Kerstin aus dem Bett geklingelt (die ja immer noch in Deutschland ist) und tatsächlich, die Überweisung hat sich durch Pfingsten und verschiedene andere Faktoren verzögert, müsste aber spätestens heute oder morgen gebucht sein. Also sprichwörtlich Tee trinken und abwarten. Mittags kam dann die Meldung, das Geld sei da! Gut gelaunt und voller Tee bin ich also wieder zur Botschaft und gerade bei der Schlüsselübergabe kam ein Mitarbeiter der Botschaft und erklärte mir, dass ich natürlich mit dem Auto fahren kann (er bewunderte meinen Mut die ganze Strecke ohne Nummernschilder zu fahren), aber dass ja noch die Vorführung beim Zoll ansteht – und das geht nur in Hanoi!
Resigniert habe ich mir ein Rückflugticket gekauft und das Auto innerlich schon abgeschrieben.
Bisher hatte ich alles meine vietnamesischen Kollegen machen lassen, aber so langsam lagen die Nerven blank und ich bin selber zum Volkskomitee gegangen. In langer Diskussion erklärte mir der Sachbearbeiter, dass er auch nach langem suchen keine Vorschrift gefunden habe, die besagt, dass er diesen Antrag an das MPI schicken soll. Auf meine Nachfrage, ob es denn eine Vorschrift gebe, dass er diesen Antrag NICHT schicken soll gab es wieder eine längere Diskussion. Am Ende versicherte er mir, dass er das Papier schreiben wird, aber das mit Sicherheit sein Chef das Papier nicht abzeichnet – es sei denn MPI würde ihm die notwendige Prokura geben. Ha, damit war ich einen Schritt weiter und habe beim MPI angerufen, etwas, was ich ganz am Anfang schon hätte tun sollen. Die versprachen auch gleich Hilfe und wollten sich nächsten Tag wieder melden. Zwischenzeitlich hatte der Direktor des Colleges aber schon seine Beziehungen spielen lassen und irgendwie den zuständigen Abteilungsleiter beim Volkskomitee dazu überredet endlich dieses Papier zu unterschreiben. Jetzt schien alles gut zu werden – ein Trugschluss, dem ich hier immer wieder mal unterliege...
Aufgeschreckt durch meinen Anruf, kam am nächsten Tag vom MPI die Meldung, dass das Volkskomitee tatsächlich nicht zuständig sei, sondern MoLISA. Eine Ansage, die vor drei Monaten Gold wert gewesen wäre, aber jetzt eher kontraproduktiv war, hatte ich den Antrag vom Komitee doch schon so gut wie in der Tasche. Also haben wir das einfach ignoriert und siehe da, zwei Wochen später kam die lang erwartete Bescheinigung vom MPI, dass ich steuerfrei ein Auto einführen darf! Juhuuuu! Das war am letzten Donnerstag.
Jetzt wurde die Agentur, die ich zwischenzeitlich beauftragt habe, aktiv. Vorführung beim Zoll, Anmelden mit Kurzzeitkennzeichen (ja, so etwas gibt es hier anscheinend doch) und Versichern sind die nächsten Aufgaben. Da ich meine Reise nach Hanoi und die Rückfahrt schon geplant habe, bleibt der Agentur genau eine Woche um alles zu erledigen. Die Vollmachten und Anträge für Zoll und Polizei hätte die Agentur natürlich auch schon vorher erledigen können, aber über so etwas rege ich mich hier schon gar nicht mehr auf. Auch das in der Bescheinigung vom MPI meine Passnummer falsch geschrieben wurde wird sich irgendwie regeln und spätestens am nächsten Sonntag weiß ich, ob wir nur wissen, dass wir ein Auto gekauft haben, ob ob wir es auch wirklich fahren können....